Night of light im HSK sendet Appell an die Politik

event night light1 thumbHochsauerland. Der bundesweite Appell „Night of light“ richtete sich in der Nacht von Montag auf Dienstag (22./23.06.2020) an alle Unternehmer aus der Veranstaltungswirtschaft: an Locations, Eventagenturen, Konzertveranstalter, Künstler, DJs, Messebauer, Caterer, Technikdienstleister, Kongresscentren, Dekofirmen und Einzelunternehmer.
In der Zeit von 22 bis 1 Uhr illuminierten daher auch im Sauerland viele betroffene Unternehmen ihren Firmensitz mit rotem Licht. Mit dieser Aktion brachten sie nicht nur ihre Solidarität zum Ausdruck, sondern machten auf ihre fast ausweglose Situation in Corona-Zeiten aufmerksam. „Wir können mit unserer Konzerthalle ein Zeichen setzen. Die Halle wird weiterbestehen, aber 50 Prozent in der Branche stehen heute schon vor der Insolvenz“, so Frank Höhle, Eventmanager der Konzerthalle Olsberg. 
Hintergrund der Aktion „Night of light“ ist die überaus dramatische Lage der Veranstaltungswirtschaft, die mit am stärksten von der Covid-19-Krise getroffen wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Branche auch am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen tangiert sein, da seit dem 10. März 2020 innerhalb nur weniger Tage die gesamten Auftragsbestände verloren gegangen sind. Von „first in“ and „last out“ wird gesprochen, da anzunehmen ist, dass sie die letzten sind, die aus der Krise herauskommen werden. 
Konzertveranstalter Gisbert Kemmerling aus Bestwig: „Das ist eine gute Initiative, um bundesweit mit Rotlicht ein Warnsignal zu setzen, denn dieses Jahr wird nichts mehr passieren. Es ist wichtig, nach außen zu tragen, was in der Szene passiert.“. 
Seit drei Monaten fast keinen Umsatz eingefahren
Nunmehr seit über drei Monaten macht die Veranstaltungsbranche fast keinen Umsatz mehr, kann weder „auf Halde“ produzieren noch die entgangenen Umsätze irgendwie kompensieren und nachholen. Mit rund einer Millionen Beschäftigten zählt die Veranstaltungswirtschaft zu den größten Sektoren der deutschen Wirtschaft, die einen jährlichen Umsatz von rund 130 Milliarden Euro generiert. Wird sogar noch die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren veranstaltungsbezogenen Teil- und Zuliefermärkten hinzugerechnet, so beschäftigen mehr als dreihunderttausend Unternehmen in über 150 Disziplinen mehr als drei Millionen Menschen, erzielen letztendlich einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro. 
Diplom-Ingenieur Dirk Joachimsmeier, Inhaber Eventtechnik Südwestfalen, sprach davon, das sei eine Vollbremsung zu 100 Prozent gewesen. Es gäbe keine Möglichkeit, kostendeckend zu arbeiten, man arbeite sich nur so dadurch. Der Mescheder Unternehmer Uwe Lammich (L & G Showtechnik) sieht das Problem darin, dass die Veranstaltungsbranche keinen Dachverband hat. Durch das Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. Oktober 2020 gäbe es für die meisten einen 80- bis 100-prozentigen Umsatzausfall über einen Zeitraum von mindestens acht Monaten. 
„Selbst die Termine im Herbst werden wahrscheinlich nicht stattfinden. Seit Ende Februar haben wir keine Aufträge mehr, das wird sich dieses Jahr auch nicht mehr ändern. Die Kredite helfen uns wenig, denn keiner weiß, wie die Schulden abgebaut werden sollen“, erklärte Frank Uhlig, lutec GmbH & Co. KG. 
Thomas Rottmann von viva concepts niederrhein gmbh sprach davon, dass die Veranstaltungstickets bei den Hygienemaßnahmen und Vorschriften das Siebenfache kosten müssten, um gewinnbringend arbeiten zu können. Er hoffe darauf, dass nach dieser Aktion schnell und unbürokratisch ein Topf aufgemacht werde, um die Branche zu retten. „Uns fehlt der Hauptumsatz im Sommer. Bei Veranstaltungen, die nur einmal im Jahr stattfinden, kann man das Geld nicht mehr reinholen. Selbst Karnevalsveranstaltungen für 2021 werden teilweise schon abgesagt“, so Rottmann. 
Till Eppmanns Überlegungen gingen sogar soweit, sein Material abzustoßen, da niemand weiß, wann es wirtschaftlich weitergeht. 
Dirk Valentin, Valentin Eventservice, brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „Alle dürfen, nur wir nicht. Zuerst wurde Fußball aufgemacht, in unserer Branche passiert gar nichts.“ Einig waren sich alle aus der Veranstaltungswirtschaft: Die Leute sollen wachgerüttelt werden, denn der Eventbereich darf nicht sterben. Veranstaltungen bereiten Freude und machen glücklich, stellen einen Mehrwert für die Gesellschaft dar.
Die für diese Aktion gemeinsam verwendete Farbe Rot sollte zum Ausdruck bringen:
  • • Die Veranstaltungswirtschaft befindet sich auf der „Roten Liste“ der aussterbenden Branchen
    • Alarmstufe Rot - ein Milliardenmarkt und hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr 
    • Wir sind eine Gemeinschaft und haben das gemeinsame Ziel eines Branchendialogs mit der Politik
    • Wir richten einen flammenden Appell an die Öffentlichkeit
    • Die Farbe Rot steht für die Leidenschaft für unseren Beruf / unsere Profession: „Wir brennen für das, was wir tun.“

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Viele Gesichter, ein Schicksal: Die Corona-Krise stürzt bereits jetzt zahlreiche Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft direkt in die Insolvenz.
Foto: Claudia Metten

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